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Latein
XIII.VII.MMXX  
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Lateinische Texte: Phaedrus

Wolf und Schaf Der Fabeldichter Phaedrus lebte zwischen 20 v.Chr. und 50 n.Chr. in Rom. Nach seinen eigenen Angaben wurde er auf dem Berg Pieros in Katerini (Griechenland) geboren, war also von Geburt Makedone, scheint aber in frühen Jahren nach Italien gekommen zu sein, da er berichtet, als Schüler die Verse des Ennius gelesen zu haben. Der Überschrift zu seinem Hauptwerk folgend, war er ein von Augustus freigelassener Sklave. Er zog sich den Zorn des Sejan, Tiberius' mächtigem Minister, wegen einiger angeblicher Anspielungen in seinen Fabeln zu, wurde vor Gericht gebracht und verurteilt. Sein Vorbild war der berühmte griechische Fabeldichter Äsop (Quelle: wikipedia).

Lupus et agnus - Wolf und Lamm (I, 1)
Ad rivum eundem lupus et agnus venerant
Siti compulsi; superior stabat lupus
Longeque inferior agnus. Tunc fauce improba
Latro incitatus iurgii causam intulit.
"Cur" inquit "turbulentam fecisti mihi
Aquam bibenti?" Laniger contra timens:
"Qui possum, quaeso, facere, quod quereris, lupe?
A te decurrit ad meos haustus liquor".
Repulsus ille veritatis viribus:
"Ante hos sex menses male" ait "dixisti mihi".
Respondit agnus: "Equidem natus non eram".
"Pater hercle tuus" ille inquit "male dixit mihi".
Atque ita correptum lacerat iniusta nece.
Zu demselben Fluss waren Wolf und Lamm gekommen,
vom Durst getrieben; der Wolf stand weiter oben
und viel weiter unten das Lamm. Dann von gewaltigem Hunger
angetrieben, suchte das Raubtier einen Grund für Streit.
"Warum", sagte er "hast du mir das Wasser trüb gemacht,
als ich es trank?" Das Wolltier antwortete dem gegenüber ängstlich:
"Wie kann ich denn das tun, bitte, worüber du dich beklagst, Wolf?"
Von dir fliesst das Wasser zu meinem Mund herab."
Von der Kraft der Wahrheit überwunden, antwortete jener:
"Vor sechs Monaten hast du mich beschimpft."
Das Lamm antwortete: "Da war ich noch gar nicht geboren."
Da sagte jener: "Dein Vater, beim Herakles, hat mich beschimpft."
Und so packte er es und zerfleischte es in ungerechtem Mord.
Vulpis et corvus - Fuchs und Rabe (I, 13)
Qui se laudari gaudet verbis subdolis,
Fere dat poenas turpes poenitentia.
Cum de fenestra corvus raptum caseum
Comesse vellet, celsa residens arbore,
Vulpes hunc vidit, deinde sic coepit loqui:
"O qui tuarum, corve, pennarum est nitor!
Quantum decoris corpore et vultu geris!
Si vocem haberes, nulla prior ales foret".
At ille stultus, dum vult vocem ostendere,
Emisit ore caseum, quem celeriter
Dolosa vulpes avidis rapuit dentibus.
Tunc demum ingemuit corvi deceptus stupor.
Wer sich freut, mit hinterlistigen Worten gelobt zu werden,
wird fast immer schändlich bestraft und bereut es.
Als ein Rabe Käse von einem Fenster geraubt hatte
und ihn, auf einem hohen Baum sitzend, essen wollte,
sah diesen ein Fuchs und begann darauf so zu sprechen:
"Oh, was für einen Glanz hat dein Gefieder, Rabe!
Wieviel Schönheit hast du am Körper und im Gesicht.
Wenn du eine Stimme hättest, wäre kein anderer Vogel besser."
Aber jener Dummkopf, als er seine Stimme zeigen wollte,
liess den Käse aus dem Schnabel fallen, den rasch
der listige Fuchs mit gierigen Zähnen aufschnappte.
Dann erst seufzte der Rabe in seiner Dummheit getäuscht.

Fabeln von Phaedrus, auf Latein vorgelesen von Prof. Dr. R. Wachter: Lupus et agnus (I, 1), Vulpes ad personam tragicam (I, 7), Corvus et vulpes (I, 13), Rana et bos (I, 24), Lupus et canis (3, 7)

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