Der Dichter Publius Ovidius Naso wurde am 20. März 43 v.Chr. in Sulmo als Sohn eines Ritters geboren. Seine politische Karriere brach er früh ab und wurde zum Dichter. Wegen seiner zu freizügigen Dichtung und einem Sittenskandal wurde er 8 n.Chr. von Kaiser Augustus ans Schwarze Meer verbannt, wo er 17 n.Chr. einsam und verbittert starb. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Ars amatoria (Liebeskunst), die Amores (3 Bücher Liebesgedichte) sowie die Metamorphosen, eine riesige Sammlung von mythischen Verwandlungsgeschichten. Von Ovid sind ausserdem die Tristien (Klagegedichte aus dem Exil), die Heroides (fiktive Briefe von mythischen Frauen), die Fasti (ein römischer Festtagskalender) und einige weitere Werke überliefert (Quelle: wikipedia).
Lykaon, der Werwolf (Met. I, 218-239) Der Göttervater Jupiter berichtet den übrigen von einem schrecklichen Erlebnis, das er hatte, als er auf der Erde die Menschen besuchte: Lykaon, der grausame König von Arkadien in Griechenland, schreckt vor nichts zurück: Er frisst sogar Menschen! Göttervater Jupiter bestraft Lykaon, der gar kein Mensch mehr ist, indem er ihn in eine andere, passendere Gestalt verwandelt: den Werwolf. | |
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Inhospita tecta tyranni ingredior, traherent cum sera crepuscula noctem. Signa dedi venisse deum, vulgusque precari coeperat: Irridet primo pia vota Lycaon, mox ait "experiar deus hic discrimine aperto an sit mortalis: nec erit dubitabile verum." Nocte gravem somno necopina perdere morte comparat: haec illi placet experientia veri. Nec contentus eo, missi de gente Molossa obsidis unius iugulum mucrone resolvit atque ita semineces partim ferventibus artus mollit aquis, partim subiecto torruit igni. Quod simul inposuit mensis, ego vindice flamma in domino dignos everti tecta penates Territus ipse fugit nactusque silentia ruris exululat frustraque loqui conatur: ab ipso colligit os rabiem, solitaeque cupidine caedis vertitur in pecudes et nunc quoque sanguine gaudet. In villos abeunt vestes, in crura lacerti: Fit lupus et veteris servat vestigia formae. Canities eadem est, eadem violentia vultus, idem oculi lucent, eadem feritatis imago est. |
Das ungastliche Haus des Königs betrete ich, als die späte Dämmerung die Nacht ankündet. Zeichen gab ich, dass ein Gott gekommen sie, und die Leute begannen zu beten. Lykaon verlacht die frommen Gebete zuerst, dann sprach er. "Ich werde herausfinden durch einen klaren Beweis, ob dieser ein Gott ist oder ein sterblicher Mensch, und die Wahrheit wird deutlich." In der Nach bereitet er sich vor, mich im tiefen Schlaf meuchlings zu ermorden. Diese Art der Wahrheitsprüfung gefällt ihm. Doch damit ist er noch nicht zufrieden: Er durchschneidet einem Gast aus dem Molosserland mit dem Dolch die Kehle und kocht die Hälfte der noch zuckenden Glieder im siedenden Wasser, die andere Hälfte brät er über dem Feuer. Als er dieses Mahl aber aufgetragen hatte, da habe ich das Haus mit rächendem Blitze einstürzen lassen. Lykaon selbst flieht voller Schrecken und erreicht die stillen Felder. Da versucht er zu sprechen - vergeblich: Er heult wie ein Wolf, das Maul geifert vor Tollwut und seine frühere Mordgier richtet sich nun gegen die Schafe, und noch immer freut er sich am Blut. Die Kleider verwandeln sich in zotteliges Fell, die Arme zu Vorderbeinen. Er wird zum Wolf, aber er behält noch Spuren seiner einstigen Gestalt: Immer noch ist er grau, immer noch ist seine Miene voller Grausamkeit, immer noch leuchten die Augen, immer noch ist er das Abbild der Wildheit. |










