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Latein
XXV.II.MMXIV  
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Broschüre: "Die kräftigsten Wurzeln reichen in die Antike zurück"
St. Galler Stimmen zum altsprachlichen Unterricht an Sekundarschulen und Gymnasien
Titelblatt der Broschüre

Unsere Broschüre mit St. Galler Stimmen zum Altsprachlichen Unterricht ist die Neuauflage einer Publikation von 1998 ("Es ist einem doch so manches verschlossen"). Die meisten der Stellungnahmen sind allerdings neu. Neu ist auch die schöne und aufwendige Gestaltung mit Handschriften aus unserer Stiftsbibliothek. Wir verdanken sie im wesentlichen der Stiftung "Pegasus limited for the promotion of neolatin-studies" (mit Sitz in St. Gallen). Geld gegeben haben auch das Kantonale Amt für Kultur und das Gymnasium Friedberg (Gossau).

Eröffnet wird die Broschüre mit vier Strophen aus einem neulateinischen Gedicht von Joseph Eberle, dies, um zu zeigen, dass auch in unserer Zeit der lateinische Dichterlorbeer noch grün ist. Der antiken Poesie ist der Reim eigentlich fremd; den "eigentümlichen Zauber" gereimter lateinischer Verse hat Arthur Schopenhauer hervorgehoben (Die Weit als Wille und Vorstellung II, Buch 3, Kap. 37).

In einem Vorwort setzt sich unser Vorsteher des Erziehungsdepartementes, Herr Regierungsrat Stöckling, mit warmen Worten besonders für Latein ein, wofür wir sehr dankbar sind. Die ersten, die ihre Stimme erheben, sind die jüngsten: Drei Schülerinnen und ein Schüler des Untergymnasiums (Gymnasium Friedberg, Gossau).

Einen Kontrast zu den Stellungnahmen bilden Zitate aus der Literatur. Sie sind chronologisch angeordnet: vom römischen Staatsmann und Philosophen Seneca (S. 9), der in einem Todesfall Trost spendet mit dem Hinweis auf den literarischen Nachruhm des Verstorbenen (dial. 11,2,6), bis zum Schweizer Schriftsteller und Zeitkritiker Niklaus Meienberg (S. 28), der bekennt, sich, wenn auch skeptisch, trösten zu lassen vom lateinischen Psalm 129 (bzw. 130 Zürcher Bibel).

Die letzte Seite ist bereit für eigene Gedanken der Leserinnen und Leser. Sehr sinnvoll ist sie unterlegt durch eine besonders schöne Handschrift (Nr. 850, S. 160/161 im Band Cimelia Sangallensia) mit einem Ausschnitt aus einem philosophischen Werk des Rechtsanwaltes und Politikers Cicero: den philosophischen Gesprächen auf seinem Landsitz Tusculum. Erkennbar ist der ausgeschmückte Buchstabe D des Satzes: Dici non potest, quam sim hesterna disputatione tua delectatus vel potius adiutus (Ich kann nicht sagen, wie sehr mir Dein gestriger Vortrag Freude gemacht oder vielmehr geholfen hat, Tusc. 2, 10). In Beziehung zu dieser Seite steht das Cicero-Zitat unseres Ständerates Eugen David (S. 10): Contra quos omnes dicendum breviter existimo: Ihnen allen bin ich wohl eine kurze Entgegnung schuldig (fin. 1,2). So leitete Cicero seine Antwort an jene Kritiker ein, die ihm seine Beschäftigung mit griechischer Philosophie und ihre Übersetzung ins Latein zum Vorwurf machten. Philosophie braucht Zeit, und beim langsamen Lesen der Broschüre zeigen sich zahlreiche kleine Dialoge zwischen literarischen und heutigen Stimmen.

Natürlich könnte man auch eine Broschüre mit ablehnenden Voten zusammenstellen; auch sie wäre spannend zu lesen. Gerade Niklaus Meienberg hat etliche sehr negative und sehr treffende Urteile über den Lateinunterrlicht abgegeben. Aber auch negative Urteile kann man nur ernst nehmen, sofern sie aus einer Auseinandersetzung hervorgehen; und wichtig ist genau diese Auseinandersetzung.

Unsere Broschüre will nicht Werbung für ein oder zwei einzelne Fächer machen. Vielmehr muss heute dringend die Frage geklärt werden, was alles zur gymnasialen Bildung gehören soll. Stichworte sind hier das Sprachenkonzept, das Abfolge und Inhalte der Sprachfächer ordnet, und der literarische Kanon, der das zusammenfasst, was zu studieren sich lohnt. Dass die Antike dazugehört, das belegen unsere Autorinnen und Autoren. Aber auch sie muss ihren Platz in einem grossen Ganzen finden, in dem alle Fächer, von der Mathematik bis zur Musik, vom Sport bis zum Englischen zusammenwirken.

Diese Broschüre zur Wahl der Alten Sprachen kann bestellt werden bei: Kantonsschule St. Gallen, Fachschaft Alte Sprachen, Burggraben 21 Postfach, 9004 St. Gallen

Juni 2001
Stefan Stirnemann, Gymnasium Friedberg, Gossau

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