"Was über uns (hinausgeht), (bedeutet) nichts für uns" (in dem Sinne: "Was über unser - menschliches - Erkenntnisvermögen hinausgeht, hat keine Bedeutung für unsere Lebensführung"). Die prägnante Maxime wird mehrfach als Ausspruch des Sokrates angeführt, so bei Minucius Felix, Octavius 13, 1, bei Laktanz, Divinae institutiones 3, 20, 10; Epitome divinarum institutionum 32, 3 (... quod supra nos esset, nihil ad nos pertinere, "... daß, was über uns hinausgeht, nichts für uns bedeute") und bei Hieronymus, Apologia adversus libros Rufini 3, 28. 478 B (Quae supra nos ...); lediglich Tertullian, Ad nationes 2, 4 (Quae super nos ...), führt das Wort - versehentlich? - als einen Ausspruch des Epikur an. Das der lateinischen Version genau entsprechende griechische Original ist in der Sprichwortsammlung des Apostolios 15, 95 C (in: Leutsch-Schneidewin, Paroemiographi Graeci, Band II, S. 654) überliefert: Τὰ ὑπὲρ ἡμᾶς οὐδὲν πρὸς ἡμᾶς. Die Maxime bezieht sich in erster Linie auf die im doppelten Sinne "über uns" hinausgehenden Himmelserscheinungen. In ihrer apodiktischen Schärfe wirkt sie eher kynisch als sokratisch; immerhin konnte sich ihre Absage an die Naturwissenschaft, wie das Zeugnis des Sextus Empiricus, Adversus mathematicos 7, 8, erkennen läßt, ohne weiteres an die verzerrende Apologetik anschließen, mit der Xenophon, Memorabilien 1, 1, 11ff. und 4, 7, 5ff., seinen Lehrer Sokrates von der Anklage gotteslästerlichen Astronomisierens zu entlasten trachtete. Nach dem Zeugnis des Stobaios, Anthologie 2, 1, 24, geht die Gegenüberstellung der Naturwissenschaft als "über uns hinausgehend" (ὑπὲρ ἡμᾶς, supra nos) und der Ethik als "uns angehend" (πρὸς ἡμᾶς, ad nos) auf Ariston von Chios, einen Schüler des Zenon von Kition, zurück.










