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Latein
VIII.XI.MMVI  
Architektur: Theater und Konzerte

Das Theater ist eine griechische Erfindung mit einer sehr langen Entwicklung: Der Beginn des Theater ist eine Gruppe von Männern oder Knaben, die zusammen ein Musik- und Tanzstück aufführen. Der Inhalt ist meistens religiös. Eine solche Sing- und Tanzgruppe nennt man Chor (griechisch choros. Der Chef des Chores ist der Chorführer (griechisch: choregos). Damit der Chor auch Gespräche zwischen zwei Gruppe darstellen kann, tritt ein Solosänger hinzu: der erste Schauspieler (griechisch protagonistes). Bald wird noch ein zweiter und sogar ein dritter Schauspieler hinzugezogen. Die Schauspieler spielen verschiedene Rollen, was dadurch möglich ist, dass sie Masken tragen (Abb. 1). Frauen spielen in Griechenland nie Theater, die Frauenrollen werden also auch von Männern übernommen. Die Themen dieser Aufführungen (Tragödien) stammen immer aus der Mythologie, sie handeln von Personen, die sich gegen die Götter auflehnen ähnliche Verbrechen begehen und deswegen bestraft werden (z.B. Prometheus, Agamemnon, Ödipus). Alle Rollen werden gesungen, ähnlich wie heute in der Oper. Das Gegenstück zur Tragödie war die Komödie: Die Mythen wurden ins Lächerliche gezogen (Herkules als Steuereintreiber, der Gott Dionysos als Feigling, der in Frauenkleidern herumläuft) und Politiker aufs übelste verspottet.

Das Gebäude "Theater" entwickelte sich nach den Bedürfnissen der Schauspieltruppen. Zu Beginn genügte ein kleiner Platz, auf dem der choros tanzte und sang (die orchestra). Die Zuschauer standen im Kreis darum. Später wurden Sitzreihen für die Zuschauer gebaut (griechisch theatron, lateinisch cavea), und zwar in einem abschüssigen Gelände, so dass die hinteren Reihen jeweils ein wenig höher lagen als die vorderen. Der Aufführungsplatz war kreisrund (Abb. 2). Ein Dach hatten die Theater nie, es wurde immer openair gespielt. In der weiteren Entwicklung kam eine Bühne (griechisch skene) hinter der orchestra dazu. die mit der Zeit immer höher wurde, bis sie ungefähr 1.5 m über der Orchestra lag (Abb. 3). Zunächst wurde in der Orchestra und auf der Bühne gespielt, später nur noch auf der Bühne. In der Orchestra sassen die Musiker und die Ehrengäste. Zum Schluss wurde hinter der Bühne eine Wand gebaut, sie diente als ständige Kulisse. Sie hatte immer drei Türen und war mit Säulen, Nischen und Statuen verziert (Abb. 4).

In römischer Zeit waren die Sitzplätze nach Gesellschaftsklassen getrennt: In den vordersten Reihen sassen die Mitglieder des Senates, des Adels, die hohen Priester usw.. In der Mitte hatte die Mittelklasse ihre Plätze, dahinter das einfache Volke. Zuoberst sassen die Frauen, auf den Stehplätzen im Säulenumgang die Sklaven.

Eine Sonderform des Theaters liegt beim Odeion vor: Das ganze Gebäude ist mit einem Dach geschlossen, was die Akustik dieses Konzertsaales verbessert.

Jede griechische oder römische Stadt hat mindestens ein Theater. Es wurde auch als grosser Versammlungsraum für politische oder religiöse Anlässe benutzt.

Die bedeutendsten Theater in Rom sind das Theater des Pompeius und das Theater des Marcellus, das erste von Pompeius (zuerst Verbündeter, dann Gegner von Caesar im Bürgerkrieg) erbaut, das zweite von Caesar begonnen und von seinem Nachfolger Augustus vollendet.

Das Pompeiustheater war der erste Theaterbau in Rom aus Stein, alle anderen Bauten waren immer nur für die jeweiligen Festspiele aus Holz gebaut worden. Pompeius fügte an das Theater eine riesige Anlage hinzu mit Säulenhallen, einer Parkanlage und Sitzungsgebäuden (Abb. 5). Lange nach Pompeius Niederlage gegen Caesar und seinem damit verbundenen Tod fand am 13. März 44 v. Chr. in einem dieser Sitzungsräume die Senatssitzung statt, an der Caesar ermordet wurde. Er starb zu Füssen der Statue seines einstigen Erzfeindes Pompeius.

Vom Pompeiustheater ist so gut wie nichts mehr erhalten, nur einige wenige Fundamentreste dieses Sitzungssaales sind heute noch zu sehen: Der Ort, wo Caesar starb (Abb. 6

Caesar konnte es natürlich nicht zulassen, dass das wichtigste Theater in Rom von seinem Erzfeind Pompeius stammte. Er liess deshalb sein eigenes Theater bauen, konnte es aber nicht mehr selbst vollenden und einweihen. Dies übernahm Augustus, der es im Namen seines Neffen Marcellus eröffnete (Abb. 7). Das Marcellustheater ist heute noch erhalten, allerdings nur die Aussenhülle des runden Zuschauerraumes (Abb. 8). Es wurde bereits im Mittelalter in eine Burg und später in einen Renaissancepalast umgebaut. Dabei wurde der oberste (dritte) Stock zerstört und durch neue Mauern ersetzt. Noch heute befinden sich in diesem Stock Wohnungen. Damit ist das Marcellustheater das weltweit einzige römische Gebäude, das noch bewohnt wird.